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Ratgeber

Gangabweichung: wie genau muss eine Automatikuhr gehen?

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Wer von einer Quarzuhr auf eine Automatikuhr umsteigt, wundert sich oft: Die neue Uhr weicht jeden Tag ein paar Sekunden ab. Das ist bei mechanischen Werken normal. Wie viel Abweichung akzeptabel ist, hängt vom Werk und seiner Ausführung ab. Dieser Beitrag erklärt, was Gangabweichung ist, nennt Herstellertoleranzen für verbreitete Kaliber und Chronometer, zeigt, wie Sie selbst messen, und sagt, wann Sie zum Uhrmacher sollten.

Was Gangabweichung bedeutet

Die Gangabweichung gibt an, wie viele Sekunden eine Uhr pro Tag vor- oder nachgeht. Ein Plus steht für Vorgang, ein Minus für Nachgang. Bei mechanischen Uhren schwankt der Gang zusätzlich je nach Lage, Temperatur und Aufzugszustand. Hersteller nennen deshalb meist einen Bereich, in dem die durchschnittliche tägliche Abweichung liegen soll.

Quarzuhren sind um ein Vielfaches genauer, weil ihr Kristall sehr viel schneller und stabiler schwingt als eine Unruh. Den Vergleich der beiden Systeme finden Sie im Beitrag Automatikuhr oder Quarzuhr.

Toleranzen verbreiteter Werke

Die folgende Tabelle nennt Richtwerte, wie sie von Herstellern für ihre Werke veröffentlicht werden. Je nach Ausführung, Regulierung und Uhrenmarke können die Angaben abweichen. Maßgeblich ist immer das Datenblatt Ihrer Uhr.

Hinweis:Viele Uhren laufen in der Praxis deutlich besser als die Toleranz, weil Hersteller sie oft enger regulieren. Ein Anspruch darauf besteht aber nur im Rahmen der Herstellerangabe.

Was ein Chronometer ist

Ein Chronometer ist eine Uhr, deren Werk von einer anerkannten Prüfstelle über mehrere Tage in verschiedenen Lagen und Temperaturen geprüft wurde. Die bekannteste Prüfstelle ist die Schweizer COSC. Für mechanische Werke gilt dort ein mittlerer täglicher Gang von minus 4 bis plus 6 Sekunden. Nur bestandene Werke erhalten ein Zertifikat und dürfen als Chronometer bezeichnet werden.

Einige Hersteller haben eigene, teils strengere Standards, die zusätzlich die fertig eingeschalte Uhr prüfen. Diese Angaben sind markenspezifisch und werden vom Hersteller selbst definiert.

So messen Sie die Gangabweichung selbst

Eine einzelne Messung über einen Tag ist wenig aussagekräftig. Besser ist eine Messreihe über mehrere Tage mit normalem Tragen.

  1. 1

    Uhr voll aufziehen und Sekundenzeiger mit gezogener Krone exakt auf eine Referenzzeit stellen.

  2. 2

    Uhr wie gewohnt tragen und nachts wie üblich ablegen.

  3. 3

    Jeden Tag zur selben Zeit die Abweichung zur Referenzzeit notieren.

  4. 4

    Nach fünf bis sieben Tagen die Gesamtabweichung durch die Zahl der Tage teilen.

  5. 5

    Ergebnis mit der Herstellertoleranz vergleichen.

  • Als Referenz eignen sich Funkuhren, die Zeitanzeige des Smartphones oder Zeitdienste im Internet
  • Zeitwaagen-Apps können Hinweise geben, sind aber weniger zuverlässig als eine echte Zeitwaage beim Uhrmacher
  • Messen Sie nicht direkt nach einem Sturz oder in der Nähe starker Magnete

Wann Sie handeln sollten

Liegt die Abweichung dauerhaft außerhalb der Herstellerangabe, sollte die Uhr zum Uhrmacher oder Herstellerservice. Bei neuen Uhren fällt das unter die Garantie. Geht die Uhr plötzlich um Minuten vor, ist sie oft magnetisiert, siehe Automatikuhr geht zu schnell. Geht sie stetig nach, helfen die Tipps unter Automatikuhr geht nach.

Kleine Abweichungen lassen sich oft durch die Ablagelage über Nacht ausgleichen. Wie Uhrmacher eine Uhr nachregulieren, erklärt Automatikuhr regulieren.

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Was die Genauigkeit im Alltag beeinflusst

Neben der Qualität des Werks wirken mehrere Faktoren auf den täglichen Gang. Der Aufzugszustand spielt eine große Rolle: Mit gut gespannter Feder schwingt die Unruh weiter und gleichmäßiger, gegen Ende der Gangreserve laufen viele Werke langsamer. Die Lage beim Ablegen verändert die Reibung an den Zapfen der Unruh. Temperatur beeinflusst Öle und Spirale, auch wenn moderne Legierungen das gut ausgleichen.

Dazu kommen äußere Einflüsse wie Magnetfelder und Stöße. Wer seine Uhr regelmäßig trägt, sie nachts gezielt ablegt und von starken Magneten fernhält, sorgt meist schon für einen stabilen Gang. Mit dem Alter der Öle nimmt die Genauigkeit oft langsam ab, dann ist eine Revision fällig, siehe Automatikuhr Wartung und Revision.

Häufige Fragen

Sind 10 Sekunden Abweichung pro Tag normal? Bei vielen Automatikuhren ja. Ob es im Rahmen liegt, entscheidet die Toleranz Ihres Werks.

Warum geht meine Uhr an manchen Tagen vor und an anderen nach? Lage, Temperatur, Bewegung und Aufzugszustand ändern sich täglich. Deshalb zählt der Durchschnitt über mehrere Tage.

Ist eine Uhr mit höherer Frequenz genauer? Eine höhere Frequenz kann den Gang stabiler machen, entscheidend sind aber Qualität und Regulierung des Werks. Mehr dazu unter Halbschwingungen und Frequenz.

Lohnt sich ein Chronometer? Wer Wert auf geprüfte Präzision legt, bekommt mit einem Chronometer eine dokumentierte Genauigkeit. Für den Alltag reichen gut regulierte Standardwerke meist aus.

Was Sie dafür brauchen