Problemlösung
Automatikuhr geht zu schnell: meist ist sie magnetisiert
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Kurz gesagt
Geht eine Automatikuhr plötzlich deutlich vor, oft um Minuten pro Tag, ist sie sehr häufig magnetisiert: Die Windungen der Unruhspirale haften aneinander, die Schwingung wird kürzer und die Uhr läuft schneller. Ein Uhrmacher kann sie in wenigen Minuten entmagnetisieren. Weitere Ursachen sind Stöße, verschobene Regulierung oder gealterte Öle.
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Mechanische Uhren gehen nie ganz exakt, ein paar Sekunden Vorgang pro Tag sind normal. Wenn eine Automatikuhr aber von einem Tag auf den anderen spürbar zu schnell läuft, gibt es fast immer einen konkreten Grund. Dieser Ratgeber erklärt, wie Magnetismus auf das Werk wirkt, wie Sie ihn mit einfachen Mitteln erkennen, was Entmagnetisieren bedeutet und welche anderen Ursachen in Frage kommen, wenn die Uhr danach immer noch vorgeht.
Was ist noch normal?
Wie genau eine Automatikuhr gehen muss, hängt vom Werk ab. Hersteller geben Toleranzen in Sekunden pro Tag an. Beim verbreiteten Seiko NH35 liegt die Angabe beispielsweise bei etwa minus 20 bis plus 40 Sekunden pro Tag, zertifizierte Chronometer nach COSC müssen im Prüfverfahren zwischen minus 4 und plus 6 Sekunden pro Tag bleiben. Eine Übersicht finden Sie im Beitrag Gangabweichung bei Automatikuhren.
Ein Vorgang innerhalb dieser Werte ist kein Defekt. Problematisch wird es, wenn die Uhr plötzlich ein Vielfaches davon vorgeht, etwa mehrere Minuten pro Tag. Dann liegt fast immer eine Störung vor.
Magnetismus: die häufigste Ursache
Das Herz einer mechanischen Uhr ist die Unruh mit ihrer feinen Spiralfeder. Bei klassischen Stahllegierungen kann diese Feder durch ein Magnetfeld selbst magnetisch werden. Dann ziehen sich einzelne Windungen an oder haften aneinander. Die wirksame Länge der Feder wird kürzer, die Unruh schwingt schneller und die Uhr geht vor, oft erheblich.
Magnetfelder gibt es im Alltag mehr, als man denkt: Lautsprecher, Kopfhörer, Magnetverschlüsse an Taschen und Tablet-Hüllen, Induktionskochfelder oder Magnetschnallen. Schon kurzer enger Kontakt kann reichen. Einige Hersteller verwenden inzwischen Spiralen aus Silizium oder antimagnetischen Legierungen, die deutlich unempfindlicher sind. Steht das Ihrer Uhr nicht ausdrücklich im Datenblatt, gehen Sie von einer normalen Empfindlichkeit aus.
- Smartphone und Tablet mit Magnethülle nicht direkt auf die Uhr legen
- Uhr nicht neben Lautsprechern oder Bluetooth-Boxen ablegen
- Abstand zu Magnetverschlüssen von Taschen und Etuis halten
- Beim Kochen auf Induktion die Uhr nicht direkt über das Feld halten
So prüfen Sie, ob die Uhr magnetisiert ist
Ein einfacher Test gelingt mit einem analogen Kompass. Legen Sie ihn auf den Tisch und führen Sie die Uhr langsam an ihn heran. Schlägt die Nadel deutlich aus, ist die Uhr wahrscheinlich magnetisiert. Manche Smartphone-Apps zeigen ebenfalls Magnetfelder an, sind aber weniger zuverlässig.
Eindeutig wird das Ergebnis mit einer Zeitwaage, die viele Uhrmacher nutzen. Sie misst Gangabweichung, Amplitude und Abfallfehler. Eine magnetisierte Uhr zeigt dort oft ein unruhiges, stark abweichendes Bild.
- 1
Analogen Kompass auf eine flache Unterlage legen.
- 2
Uhr mit dem Gehäuse langsam rund um den Kompass führen.
- 3
Nadel beobachten: deutlicher Ausschlag spricht für Magnetisierung.
- 4
Uhr beim Uhrmacher entmagnetisieren und auf der Zeitwaage prüfen lassen.
Entmagnetisieren: schnell und unkompliziert
Uhrmacher entmagnetisieren eine Uhr mit einem speziellen Gerät, das ein Wechselfeld erzeugt und es beim Herausziehen der Uhr langsam abschwächt. Das Gehäuse muss dafür nicht geöffnet werden. Viele Fachgeschäfte erledigen das in wenigen Minuten und messen die Uhr anschließend auf der Zeitwaage nach.
Entmagnetisiergeräte für zu Hause gibt es ebenfalls. Sie funktionieren nach demselben Prinzip, die Wirkung lässt sich ohne Messgerät aber schlecht kontrollieren. Läuft die Uhr nach dem Entmagnetisieren wieder in ihren gewohnten Werten, war Magnetismus die Ursache.
Hinweis:Hilft das Entmagnetisieren nicht, bitte die Uhr nicht selbst öffnen oder nachregulieren, wenn Sie keine Erfahrung damit haben. Die Regulierung sitzt direkt an der Unruh.
Andere Ursachen für einen Vorgang
Geht die Uhr nach dem Entmagnetisieren immer noch deutlich vor, kommen weitere Gründe in Frage. Ein Stoß, etwa ein Sturz auf Fliesen, kann die Spirale verformen oder den Rücker verschieben. Auch gealterte oder verschmutzte Öle können die Spirale verkleben lassen, was ebenfalls zu einem Vorgang führt.
Die Lage der Uhr spielt eine Rolle: Viele Werke gehen liegend etwas anders als stehend. Wer die Uhr nachts immer gleich ablegt, kann einen leichten Vor- oder Nachgang damit ausgleichen. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Automatikuhr regulieren.
| Beobachtung | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Plötzlich Minuten pro Tag vor | Magnetismus |
| Nach Sturz deutlich schneller | Stoßschaden an Unruh oder Spirale |
| Langsam zunehmender Vorgang über Jahre | Öle, Verschmutzung, Revision fällig |
| Wenige Sekunden je nach Ablage | Lagenfehler, normal |
Häufige Fragen
Kann Magnetismus das Werk dauerhaft beschädigen? In der Regel nicht. Nach dem Entmagnetisieren läuft die Uhr meist wieder normal. Erst wenn die Spirale zusätzlich verformt ist, muss ein Uhrmacher eingreifen.
Ist ein Smartphone gefährlich für meine Uhr? Das Gerät selbst meist kaum, Magnethüllen, Halterungen und Lautsprecher können aber stärker wirken. Etwas Abstand genügt in der Regel.
Wie oft kann ich eine Uhr entmagnetisieren lassen? So oft wie nötig. Der Vorgang belastet das Werk nicht.
Muss eine vorgehende Uhr sofort zum Service? Nicht unbedingt. Lassen Sie zuerst Magnetismus prüfen. Erst wenn der Vorgang bleibt oder die letzte Revision viele Jahre zurückliegt, ist ein Service sinnvoll, siehe Automatikuhr Wartung.
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