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Problemlösung

Automatikuhr geht nach: Ursachen und was hilft

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Ein paar Sekunden Abweichung am Tag gehören zu jeder mechanischen Uhr. Wenn eine Automatikuhr aber beständig nachgeht, ärgert das im Alltag, weil man sie ständig korrigieren muss. Die gute Nachricht: Häufig lässt sich die Ursache ohne Werkzeug finden und durch Tragegewohnheiten ausgleichen. Dieser Ratgeber erklärt die typischen Gründe für einen Nachgang, zeigt eine einfache Messmethode und sagt, ab wann ein Service sinnvoll ist.

Niedriger Aufzugszustand als Hauptursache

Eine Automatikuhr läuft am gleichmäßigsten, wenn die Zugfeder gut gespannt ist. Lässt die Spannung nach, sinkt die Amplitude, also die Schwingungsweite der Unruh. Bei vielen Werken führt das dazu, dass die Uhr langsamer läuft. Besonders deutlich wird das in den letzten Stunden der Gangreserve.

Wer viel sitzt und sich wenig bewegt, hält die Feder oft nur halb gespannt. Die Uhr läuft dann dauerhaft im weniger stabilen Bereich. Abhilfe schafft es, die Uhr morgens per Krone aufzuziehen, sofern das Werk einen Handaufzug hat, oder sie nachts auf einen Uhrenbeweger zu legen.

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Lage und Temperatur

Mechanische Werke laufen in verschiedenen Lagen unterschiedlich schnell. Liegend mit dem Zifferblatt nach oben verhält sich eine Uhr anders als stehend mit der Krone nach unten. Diese Lagenfehler liegen meist im Bereich weniger Sekunden, summieren sich aber über Nacht.

Ein einfacher Trick: Legen Sie die Uhr eine Woche lang nachts in verschiedene Lagen und notieren Sie die Abweichung. Geht sie in einer Lage vor, nutzen Sie diese Lage, um den Nachgang am Tag auszugleichen. Auch Kälte beeinflusst den Gang, weil Öle zäher werden. Wer im Winter viel draußen ist, kann leichte Abweichungen bemerken.

Hinweis:Wie Ihre Uhr in welcher Lage reagiert, ist von Werk zu Werk verschieden. Erst das eigene Protokoll zeigt, welche Ablage Ihren Nachgang ausgleicht.

So messen Sie den Nachgang richtig

Eine einzelne Messung sagt wenig aus. Messen Sie über mehrere Tage, damit Lagen und Aufzugszustand sich ausgleichen.

  1. 1

    Uhr voll aufziehen oder einen Tag normal tragen.

  2. 2

    Sekundenzeiger mit gezogener Krone exakt auf eine Referenzzeit setzen, etwa eine Funkuhr oder die Uhrzeit des Smartphones.

  3. 3

    Täglich zur gleichen Zeit die Abweichung notieren, ohne die Uhr zu korrigieren.

  4. 4

    Nach fünf bis sieben Tagen den Durchschnitt pro Tag berechnen.

  5. 5

    Ergebnis mit der Toleranz des Herstellers vergleichen.

Wann der Nachgang auf Servicebedarf hinweist

Wenn eine Uhr über Jahre zunehmend nachgeht, sich schwerer aufziehen lässt und die Gangreserve kürzer wird, deutet das oft auf gealterte Öle und Verschleiß hin. Die Reibung im Werk steigt, die Unruh schwingt weniger weit. Hier hilft nur eine Revision, bei der das Werk zerlegt, gereinigt und neu geölt wird.

Hersteller nennen für Revisionen meist Intervalle von etwa 5 bis 10 Jahren, genaue Angaben finden Sie in den Serviceunterlagen Ihrer Marke. Mehr zum Ablauf lesen Sie unter Automatikuhr Wartung und Revision. Ein Uhrmacher kann eine Uhr bei geringer Abweichung auch nur regulieren, ohne sie komplett zu überholen, sofern die Amplitude stimmt.

Abgrenzung: Nachgang oder Stillstand?

Manchmal wirkt eine Uhr, als gehe sie stark nach, tatsächlich ist sie aber zwischendurch stehen geblieben und wieder angelaufen, weil die Feder fast leer war und eine Handbewegung sie kurz angetrieben hat. Liegt die Abweichung bei vielen Minuten, prüfen Sie zuerst die Gangreserve. Die Anleitung dazu finden Sie unter Automatikuhr bleibt stehen.

Das Gegenstück, eine Uhr, die plötzlich stark vorgeht, hat andere Ursachen, meist Magnetismus. Welche Abweichung für Ihr Werk normal ist, zeigt der Beitrag Gangabweichung.

Was Sie selbst tun können und was nicht

Ohne Werkzeug haben Sie drei wirksame Hebel: die Uhr regelmäßig voll aufgezogen halten, die Ablage über Nacht gezielt wählen und starke Kälte oder Stöße vermeiden. Damit lassen sich kleine Nachgänge von wenigen Sekunden pro Tag oft ausgleichen, ohne dass jemand das Werk anfassen muss.

Alles, was darüber hinausgeht, gehört in die Hände eines Uhrmachers. Er misst auf der Zeitwaage Gang, Amplitude und Abfallfehler in mehreren Lagen und kann daraus ableiten, ob eine Regulierung genügt oder eine Revision nötig ist. Bei Uhren mit noch laufender Herstellergarantie wenden Sie sich am besten direkt an den Hersteller oder einen autorisierten Service, denn ein Eingriff durch Dritte kann die Garantie berühren. Weitere Grundlagen zur Regulierung erklärt der Beitrag Automatikuhr regulieren.

Häufige Fragen

Wie viele Sekunden Nachgang sind normal? Das hängt vom Werk ab. Viele Einstiegskaliber erlauben laut Hersteller einige Sekunden Nachgang pro Tag, Chronometer nach COSC höchstens 4 Sekunden.

Hilft ein Uhrenbeweger gegen Nachgang? Er hält die Feder gespannt und kann so den Nachgang durch niedrigen Aufzug verringern. Gegen Verschleiß oder alte Öle hilft er nicht.

Kann ich die Uhr selbst nachregulieren? Bei geöffnetem Gehäuse ist das grundsätzlich möglich, birgt aber Risiken für Werk und Dichtigkeit. Überlassen Sie das besser einem Uhrmacher.

Geht meine Uhr im Winter langsamer? Leichte Unterschiede durch Temperatur sind möglich. Moderne Spiralen sind dafür aber gut ausgeglichen, große Abweichungen deuten auf andere Ursachen hin.

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