Ratgeber
Halbschwingungen und Hertz: was 28.800 A/h bedeuten
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Kurz gesagt
A/h steht für Halbschwingungen pro Stunde der Unruh. 28.800 A/h entsprechen 4 Hertz: Die Unruh schwingt viermal pro Sekunde hin und her, und der Sekundenzeiger macht acht kleine Schritte pro Sekunde. 21.600 A/h entsprechen 3 Hertz mit sechs Schritten pro Sekunde. Umgerechnet wird mit dem Faktor 7.200: Hertz gleich A/h geteilt durch 7.200.
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In Datenblättern von Automatikuhren tauchen Angaben wie 21.600 A/h, 28.800 vph oder 4 Hz auf. Sie beschreiben, wie schnell das Herz der Uhr schlägt. Dieser Beitrag erklärt, was eine Halbschwingung ist, wie Sie zwischen A/h und Hertz umrechnen, warum der Sekundenzeiger einer Automatikuhr gleitet und nicht springt und was eine höhere oder niedrigere Frequenz in der Praxis bedeutet. Mit dem Schlagzahl-Umrechner können Sie jeden Wert direkt umrechnen.
Was eine Halbschwingung ist
Die Unruh einer mechanischen Uhr schwingt wie ein kleines Pendel hin und her. Eine vollständige Schwingung besteht aus der Bewegung in die eine und zurück in die andere Richtung. Jede dieser beiden Bewegungen heißt Halbschwingung, im Fachjargon auch Schlag oder Alternanz. Daher kommt die Abkürzung A/h für Alternanzen pro Stunde. Im Englischen ist vph üblich, vibrations per hour, gemeint ist dasselbe.
Bei jeder Halbschwingung gibt die Hemmung das Ankerrad um einen kleinen Schritt frei. Deshalb hört man eine mechanische Uhr ticken, und deshalb bestimmt die Zahl der Halbschwingungen, in wie vielen Schritten der Sekundenzeiger vorrückt. Den Aufbau des Werks erklärt Wie funktioniert eine Automatikuhr?.
Umrechnen: A/h, Hertz und Schritte pro Sekunde
Ein Hertz bedeutet eine vollständige Schwingung pro Sekunde, also zwei Halbschwingungen. Eine Stunde hat 3.600 Sekunden. Daraus ergeben sich einfache Formeln: Hertz gleich A/h geteilt durch 7.200. Schritte des Sekundenzeigers pro Sekunde gleich A/h geteilt durch 3.600. Halbschwingungen pro Tag gleich A/h mal 24.
| A/h | Hertz | Schritte pro Sekunde | Beispiele |
|---|---|---|---|
| 18.000 | 2,5 Hz | 5 | viele ältere und Vintage-Werke |
| 21.600 | 3 Hz | 6 | Seiko NH35, 4R- und 6R-Werke, Powermatic 80 |
| 25.200 | 3,5 Hz | 7 | einzelne Werke |
| 28.800 | 4 Hz | 8 | ETA 2824-2, Sellita SW200 |
| 36.000 | 5 Hz | 10 | Zenith El Primero, Grand Seiko Hi-Beat |
Hinweis:Mit dem Schlagzahl-Umrechner rechnen Sie jeden Wert in Hertz, Schritte pro Sekunde und Halbschwingungen pro Tag um.
Warum der Sekundenzeiger gleitet
Bei einer Quarzuhr springt der Sekundenzeiger meist einmal pro Sekunde. Bei einer Automatikuhr rückt er dagegen in vielen kleinen Schritten vor, bei 28.800 A/h achtmal pro Sekunde. Für das Auge sieht das wie ein gleichmäßiges Gleiten aus. Je höher die Frequenz, desto feiner wirkt die Bewegung.
An diesem Gleiten erkennen Sie eine mechanische Uhr oft auf den ersten Blick. Bei einem Werk mit 21.600 A/h sind die sechs Schritte pro Sekunde bei genauem Hinsehen noch zu erkennen, bei 36.000 A/h wirkt der Zeiger nahezu fließend.
Was eine höhere Frequenz bringt und kostet
Eine höhere Frequenz macht die Unruh weniger anfällig für Störungen durch Bewegungen des Handgelenks und Stöße, was den Gang stabilisieren kann. Außerdem ermöglicht sie bei Chronographen eine feinere Zeitmessung, etwa auf Zehntelsekunden bei 5 Hz.
Der Preis ist ein höherer Energieverbrauch und mehr Verschleiß an Hemmung und Ölen. Bei gleichem Federhaus sinkt die Gangreserve. Deshalb setzen einige moderne Werke bewusst auf 3 Hz und erreichen damit, zusammen mit anderen Maßnahmen, lange Gangreserven. Mehr dazu unter Gangreserve erklärt.
| Aspekt | Niedriger (z. B. 3 Hz) | Höher (z. B. 4 bis 5 Hz) |
|---|---|---|
| Energieverbrauch | geringer | höher |
| Gangreserve bei gleicher Feder | länger | kürzer |
| Störanfälligkeit | etwas höher | geringer |
| Bewegung des Sekundenzeigers | sichtbare Schritte | feiner, fließender |
Frequenz und Genauigkeit
Eine hohe Frequenz allein macht eine Uhr nicht genau. Entscheidend sind die Qualität von Unruh, Spirale und Hemmung, die Regulierung und der Zustand der Öle. Ein sorgfältig reguliertes 3-Hz-Werk kann im Alltag genauer gehen als ein schlecht eingestelltes 4-Hz-Werk. Welche Abweichung Hersteller für gängige Werke angeben, zeigt der Beitrag Gangabweichung.
Uhrmacher messen die Frequenz übrigens nicht nur, sie nutzen sie auch: Die Zeitwaage wird auf die Schlagzahl des Werks eingestellt und berechnet daraus Gang, Amplitude und Abfallfehler.
Frequenz im Datenblatt finden und einordnen
Hersteller nennen die Frequenz in unterschiedlichen Formen. Schweizer und deutsche Marken schreiben oft A/h oder Halbschwingungen pro Stunde, japanische und englischsprachige Datenblätter häufig vph oder bph, also beats per hour. Manche geben nur Hertz an. Alle Angaben lassen sich mit der Formel oben ineinander umrechnen.
Steht im Datenblatt nur der Name des Werks, etwa NH35 oder SW200, finden Sie die Frequenz in den technischen Unterlagen des Werkherstellers. Für die Kaufentscheidung ist sie ein Detail unter mehreren: Gangreserve, Genauigkeitsangabe, Handaufzug und Sekundenstopp sagen im Alltag oft mehr aus. Wer Wert auf ein besonders fließendes Gleiten des Sekundenzeigers legt, achtet gezielt auf Werke mit 4 Hz oder mehr.
- A/h, Halbschwingungen pro Stunde: übliche Angabe deutscher und Schweizer Hersteller
- vph oder bph: englischsprachige Bezeichnung für denselben Wert
- Hz: vollständige Schwingungen pro Sekunde, A/h geteilt durch 7.200
Häufige Fragen
Was bedeutet 28.800 vph? Dasselbe wie 28.800 A/h, also 4 Hertz und acht Schritte des Sekundenzeigers pro Sekunde.
Wie oft tickt eine Automatikuhr am Tag? Bei 28.800 A/h sind es 691.200 Halbschwingungen pro Tag, bei 21.600 A/h 518.400.
Ist ein Werk mit 21.600 A/h schlechter? Nein. Viele bewährte und langlebige Werke arbeiten mit 3 Hz. Sie verbrauchen weniger Energie und erreichen oft längere Gangreserven.
Kann man die Frequenz einer Uhr hören? Mit etwas Übung ja. Ein Werk mit 4 Hz tickt deutlich schneller als eines mit 2,5 Hz. Genaue Werte liefert aber nur eine Zeitwaage.
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