# Ganggenauigkeit einer Automatikuhr messen und regulieren

Quelle: https://zeigerundlunette.de/blog/automatikuhr-regulieren
Veröffentlicht: 2026-10-11
Herausgeber: Zeiger & Lünette

**Kurz gesagt:** Stellen Sie die Uhr sekundengenau nach einer Referenzzeit und notieren Sie über drei bis sieben Tage täglich zur gleichen Zeit die Abweichung. Daraus ergibt sich die mittlere Gangabweichung pro Tag. Kleine Abweichungen gleichen Sie über die Ablagelage in der Nacht aus. Liegt die Uhr deutlich außerhalb der Herstellertoleranz oder springt die Abweichung plötzlich, sollte ein Uhrmacher sie prüfen, entmagnetisieren oder am Rücker regulieren.

Jede mechanische Uhr weicht etwas ab. Die Frage ist, wie viel, und ob das noch normal ist. Diese Anleitung zeigt, wie Sie die Gangabweichung Ihrer Automatikuhr zuverlässig messen, welche Werte für gängige Werke üblich sind, wie Sie mit der Lage beim Ablegen kleine Abweichungen ausgleichen und wann eine Regulierung beim Uhrmacher sinnvoll ist. Sie brauchen dafür nur eine genaue Referenzzeit und etwas Geduld.

## Was als normale Abweichung gilt

Mechanische Uhren misst man in Sekunden pro Tag. Wie viel normal ist, hängt vom Werk und seiner Qualitätsstufe ab. Einsteigerwerke wie das Seiko NH35 haben laut Hersteller eine Toleranz von einigen Dutzend Sekunden pro Tag. Schweizer Standardwerke liegen je nach Ausführung meist im Bereich von etwa ±10 bis ±30 Sekunden. Chronometer mit COSC-Zertifikat müssen im Prüfverfahren im Mittel zwischen -4 und +6 Sekunden pro Tag bleiben.

Die Angaben des Herstellers stehen meist in der Bedienungsanleitung. Liegt Ihre Uhr innerhalb dieser Toleranz, arbeitet sie wie vorgesehen, auch wenn es gefühlt viel ist.

| Klasse | Beispiel | Übliche Toleranz pro Tag |
| --- | --- | --- |
| Einsteigerwerk | Seiko NH35, 4R35 | einige Dutzend Sekunden |
| Schweizer Standard | ETA 2824-2, Sellita SW200 | etwa ±10 bis ±30 Sekunden |
| Chronometer | COSC-zertifizierte Werke | -4 bis +6 Sekunden (Prüfmittel) |

Typische Richtwerte (Herstellerangaben, gerundet)

## Schritt für Schritt: Gangabweichung messen

Ein Foto der Uhr neben der Referenzzeit macht das Ablesen leichter. Messen Sie nicht nur einen Tag. Die Abweichung schwankt je nach Bewegung, Temperatur und Aufzugszustand.

1. Ziehen Sie die Uhr voll auf oder tragen Sie sie einen Tag, damit die Feder gut gespannt ist.
2. Stellen Sie die Uhr sekundengenau nach einer Referenz, etwa einer Funkuhr oder der Uhrzeit Ihres Smartphones. Mit Sekundenstopp geht das am einfachsten.
3. Notieren Sie Datum und Uhrzeit des Stellens.
4. Vergleichen Sie die Uhr an den folgenden Tagen immer zur gleichen Tageszeit mit der Referenz und notieren Sie die Abweichung in Sekunden.
5. Tragen Sie die Uhr in dieser Zeit wie gewohnt und notieren Sie, in welcher Lage sie nachts liegt.
6. Teilen Sie die Gesamtabweichung nach drei bis sieben Tagen durch die Zahl der Tage. Das ist Ihre mittlere Gangabweichung.

## Mit der Ablagelage ausgleichen

Mechanische Uhren laufen in verschiedenen Lagen unterschiedlich schnell, weil die Schwerkraft auf die Unruh wirkt. Diesen Effekt können Sie nutzen. Legen Sie die Uhr nachts in eine Lage, in der sie die tagsüber entstandene Abweichung teilweise ausgleicht.

Welche Lage bei Ihrer Uhr vor- und welche nachgehen lässt, ist von Werk zu Werk verschieden. Testen Sie es: Legen Sie die Uhr eine Nacht mit dem Zifferblatt nach oben, eine Nacht mit der Krone nach oben und eine Nacht mit der Krone nach unten, und notieren Sie jeweils die Veränderung. So finden Sie heraus, welche Lage Ihre Uhr bremst oder beschleunigt.

- Zifferblatt oben
- Zifferblatt unten
- Krone oben
- Krone unten
- Krone links oder rechts, je nach Ablage

## Wenn die Uhr plötzlich stark vorgeht

Geht eine Uhr, die bisher gut lief, plötzlich mehrere Minuten pro Tag vor, ist sie häufig **magnetisiert**. Die Windungen der Unruhspirale haften dann aneinander und die Uhr schwingt schneller. Ursachen sind Magnetverschlüsse an Taschen und Hüllen, Lautsprecher, Induktionsladegeräte und Laptops.

Ein Uhrmacher kann die Uhr in wenigen Minuten entmagnetisieren. Danach läuft sie meist wieder wie vorher. Halten Sie Ihre Uhr künftig von starken Magneten fern, Hinweise dazu gibt [Automatikuhr richtig lagern](https://zeigerundlunette.de/blog/automatikuhr-lagern).

Hinweis: Bleibt die Uhr stehen, geht sie unregelmäßig oder hat sie einen Sturz hinter sich, sollten Sie nicht selbst messen und ausgleichen, sondern direkt einen Uhrmacher fragen.

## Regulierung beim Uhrmacher

Zum Regulieren muss der Gehäuseboden geöffnet werden. Der Uhrmacher verstellt dann einen kleinen Hebel an der Unruh, den Rücker, oder bei manchen Werken eine Feinregulierung. Mit einer Zeitwaage misst er dabei Gang, Amplitude und Abfallfehler in mehreren Lagen. So sieht er auch, ob das Werk eine Revision braucht.

Öffnen Sie den Boden nicht selbst. Ohne Werkzeug und Prüfgerät für die Wasserdichtigkeit riskieren Sie Kratzer, beschädigte Dichtungen und eine undichte Uhr. Wer die Frequenz seines Werks kennen will, etwa für eine Zeitwaage-App, rechnet sie mit dem [Schlagzahl-Umrechner](https://zeigerundlunette.de/tools/schlagzahl-umrechner) um.

[Automatikuhren mit Schweizer Werk ansehen](https://zeigerundlunette.de/best/automatikuhren-bis-1000-euro)

## Wann sich eine Revision statt Regulierung lohnt

Eine Regulierung korrigiert nur die Geschwindigkeit. Ist das Öl gealtert oder die Amplitude der Unruh niedrig, läuft die Uhr trotz Regulierung unruhig. Dann ist eine Revision fällig. Viele Hersteller nennen dafür grob Intervalle von fünf bis zehn Jahren, die genaue Empfehlung steht in der Anleitung.

Wie sich die Toleranzen der gängigsten Werke unterscheiden, vergleicht [NH35, ETA 2824 und Sellita SW200](https://zeigerundlunette.de/blog/nh35-vs-eta-2824). Grundsätzliches zu mechanischer und Quarzgenauigkeit steht in [Automatikuhr oder Quarzuhr](https://zeigerundlunette.de/blog/automatikuhr-vs-quarzuhr).

## Häufige Fragen

**Meine Automatikuhr geht vor, wie stelle ich sie ein?** Messen Sie zuerst die Abweichung über mehrere Tage. Kleine Abweichungen gleichen Sie über die Ablagelage aus, größere lässt ein Uhrmacher am Rücker regulieren.

**Ist eine Zeitwaage-App genau genug?** Für eine erste Einschätzung oft ja, wenn das Mikrofon die Ticks sauber erkennt. Für eine verlässliche Messung über mehrere Tage ist der Vergleich mit einer Referenzzeit aussagekräftiger.

**Läuft eine Uhr nach dem Aufziehen genauer?** Bei vielen Werken ist der Gang mit gut gespannter Feder gleichmäßiger. Deshalb messen Sie am besten, wenn Sie die Uhr regelmäßig tragen.

**Kann ich meine Uhr selbst regulieren?** Davon ist abzuraten. Dafür muss der Boden geöffnet werden, und ohne Werkzeug und Dichtheitsprüfung riskieren Sie Schäden und Feuchtigkeit im Gehäuse.

## Kaufberatung zu diesem Thema

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